KlimaCHECK Badstaße – Der Podcast rundum Klimaanpassung im Badstraßenkiez

Die Lebensqualität von Morgen schaffen wir heute: Grüne Kieze, Stadtgrün an das Klima der Zukunft anpassen, Regewasser sinnvoll nutzen & Nachbarschaft gestalten. Wir sprechen mit Expert:innen über Stadtklima, Klimagerechtigkeit und Klimaanpassung.

Dazu haben wir am 25. August ein Sommerinterview mit Wolfgang Leder vom Baumrevier, der Straßenbaumpflege des Straßen- und Grünflächenamtes in Berlin Mitte, auf dem Grünstreifen der Grüntaler Straße geführt. Das Interview drehte sich um die Themen Forschung zu Straßenbäumen, Klimaresilienz und Pflege der Berliner Straßenbäume.

Wolfgang Leder ist inzwischen 32 Jahre im Bezirk Wedding und Mitte tätig. Zunächst hat er in einer Baumschule gelernt und war auf Wanderschaft in verschiedenen Betrieben. Später hat er die Meisterprüfung gemacht und sich erneut auf Wanderschaft in verschiedenen Spaten der Baumschulenbetriebe begeben. Seit 1989 ist Wolfgang Leder im Bezirk Mitte tätig und war damals zuständig für das Baumpflegerevier. Heute leitet er im Bezirksamt Mitte die Abteilung Straßenbaumpflege von der Pflanzung bis zur Fällung. Das Grünflächenamt stellt selbstständig Forschung zu Straßenbäumen an und überwacht die Baumpflanzungen im Bezirk Mitte für 10 bis 15 Jahre mit Sensoren.

Podcastreihe Stadtbäume

In der Podcastreihe beschäftigen wir uns mit Stadtbäumen. In drei spannenden Folgen erfahrt ihr mehr über die Berliner Straßenbäume.

  • Der Wert der Straßenbäume
  • Besondere Herausforderungen des Standorts Straße
  • heimische und gebietsfremde Arten
  • Monitoring der neugepflanzten Straßenbäume
  • Baumscheibenpflanzung
  • Baumarten der Zukunft
  • Zukunftsvisionen und Strategien zur Klimaanpassung
  • Aufruf zur Mithilfe

Folge 1: Standort Straße – Besonderheiten und Herausforderungen für heimische und heimisch gewordene Baumarten

Upload erfolgt in Kürze

Folge 2: Monitoring von Straßenbäumen, Baumscheiben und Baumscheibenbepflanzung und besonderen Baumarten im Stadtteil Wedding

Upload erfolgt in Kürze

Folge 3: Zukunftsvisionen und Strategien zur Klimaanpassung

Upload erfolgt in Kürze

Wissenswertes aus dem Podcast

Wir müssen mehr für den Erhalt der alten Bäume tun und das erreicht man damit, indem man den Standort optimiert.

Die Straßenbaumpflege muss sich künftig Gedanken machen, wie man das Regenwasser in den Quartieren halten kann.

Wir haben heute das Problem, dass durch die starke Versiegelung große Regenwassermengen sprichwörtlich „weglaufen“, wir können sie nicht vor Ort speichern, da das Wasser nicht versickern kann. Es wurden zwar schon Möglichkeiten geschaffen, wo Jungbäume große Wassermengen nun aufnehmen können, aber das ist langfristig zu wenig Wasser für die Altbäume. Denn die tieferen Wurzelbereiche trocknen immer mehr aus.

Die Herausforderung in den nächsten Jahren wird sein, Wege zu finden, die Altbäume zu erhalten. Eine wichtige Maßnahme wäre, auf den Gehwegen den Unterstreifen rauszunehmen, auch eine Art Versickerungsmuldenbildung wäre wichtig, die allerdings in innerstädtischen Gebieten nicht so stark ausgeprägt sein kann, wie in Vororten.

Die Artenvielfalt in Berlin ist eigentlich auch das, was die Stadt auszeichnet. In der Stadt muss man das nutzen, was hier auch tatsächlich wächst. Und das sind eben viele Arten, die hier eingewandert und inzwischen heimisch sind, aber es sind auch Arten, die jetzt dazukommen und die wir brauchen werden.

Eine gesunde Grünanlage besteht aus einer Baumschicht, aus einer Strauchschicht und aus einer Staudenschicht. Dann ist die Grünanlage gesund und kann genügend Wasser speichern und entsprechend Feuchtigkeit und Kühle an die Umgebung abgeben.

Es gibt eine Körpersprache der Bäume. Die Straßenbaumpflege unterhält sich mit den Bäumen visuell. Entsprechend kann man dadurch Schadsymptome sehen, prüfen und kann sie auch durchmessen.

Stadtbäume sind Überlebenskünstler. Die Straße ist der feindlichste Ort, den man sich für einen Baumvorstellen kann und der Baum versucht zu überleben.

Es werden noch viele alte Straßenbäume in den nächsten Jahrenim Stadtbild verschwinden und das wird nicht mit den Neupflanzungen der Stadtbaum-Kampagne ausgeglichen werden können. Die derzeitige Geschwindigkeit des Absterbens ist beängstigend. Was sicher ist: bis auf wenige Lindearten, werden sehr viele Linden aus dem Stadtraum verschwinden. Denn die Linde ist in der Innenstadt der Klimaverlierer.

Es gibt keinen Baum, der nicht irgendein Problem hat. Es wird eine gute Mischung geben müssen, entsprechende Anpassungen geben der Sorten an das veränderte Klima. Wie verändert sich das Stadtklima weiterhin – darauf muss reagiert werden. Die Verbesserung des Umfeldes und der Pflege für die Jungbäume ist dazu ein wichtiger Schlüssel.

Das Regenwasser muss in den Baumscheiben versickern können. Denn wichtig für den Baum ist, was im Boden passiert. Dafür müssen Granit-Splitt Schichten eingebracht werden. Diese Splitt Becken können nämlich immense Wassermengen aufnehmen und später an den Boden abgeben. Eine vier Quadratmeter große Baumscheibe mit einer zehn Zentimeter starken Splitt Schicht, kann bis zu 500 Liter Wasser aufnehmen, ohne dass es wegläuft.

Die Wassersäcke werden seit 15 Jahren im Bezirk Mitte eingesetzt. Die Wassersäcke an den Baumneupflanzungen sind dafür da, um die Jungbäume in den ersten fünf Jahren mit Wasser zu versorgen. Ab Herbst 2021 werden unter den Aspekten des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit keine Kunststoff-Wasserbeutel mehr eingesetzt, sondern nur noch Splitt-Schichten als Technik zur Wasserspeicherung. Darüber hinaus ist regelmäßiges Wässern und Düngen wichtig, dann sind die Bäume auch trockenresistenter.

Das wichtigste dabei ist: wie gehen die Bürger:innen mit solchen Klimaanpassungsmaßnahmen um? Es geht darum, dass die Menschen die neuen Angebote und Veränderungen im Stadtbild annehmen und nutzen und – vor allem – Bäume nicht zerstören. Ein sensibler Umgang mit Bäumen und dem Stadtgrün an sich wäre der erste Schritt. Wichtig ist auch bei Jungbäumen mit weißer Markierung im Sommer Wasser zu geben.

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